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bevorstehende Termine

Termin Informationen:

  • Do
    04
    Apr
    2019
    Mi
    17
    Apr
    2019

    Another day of life (Bundesstart)

    21:48Sweet sixteen, Kino im depot, Immermannstr. 29

    Do, 4. 4. – So, 7. 4.: 17:00 Uhr / Mo, 8. 4.: 21:00 Uhr / Mi, 10. 4.:21:00 Uhr / Do, 11. 4. – So, 14. 4.: 17:00 Uhr / Di, 16. 4. – Mi, 17. April 4.: 19:00 Uhr

    FILMKRITIK:

    Über fünf Jahre hinweg wurde der Film produziert. Die Basis bildet Ryszard Kapuściński Buch „Wieder ein Tag Leben“, in dem er von seinen drei Monaten in Angola berichtet, als die Ausrufung der Unabhängigkeit kurz bevor stand. Kapuściński war mittendrin, als die angolanische Hauptstadt Luanda immer mehr verkam. Er erlebte mit, wie die MPLA, die Popular Movement for the Liberati­on of Angola moralisch immer mehr abbaute. Wie Südafrika sich in den Konflikt einschaltete und wie Angola in einem Kalten Krieg der Amerikaner und der Sowjets immer mehr aufgerieben wurde.

    Man hätte aus diesem Stoff auch einfach nur eine packende Dokumentation machen können, doch die Regisseure Raul de la Fuente und Damian Nenow wollten mehr. Sie wussten um die Kraft, die Animation entwickeln kann, weil sie an eine Emotionalität rüttelt, die bei einer nüchternen Be­trachtungsweise der Geschehnisse nicht so direkt und nicht so wuchtig möglich gewesen wäre.

    Man folgt Kapuścińskis Geschichte, seiner Reise in den gefährlichen Süden, seiner Begegnung mit Kämpfern in diesem Konflikt, und seinem Weg zurück nach Hause, als alles gut zu werden schien, aber es nicht wurde. Denn in Angola wurde nach der Unabhängigkeit noch 27 Jahre lang Krieg zwi­schen der MPLA und der FNLA und UNITA geführt. Der Film lässt nie einen Zweifel aufkommen, wo Kapuścińskis Sympathien liegen. Er steht ganz und gar auf Seiten der MPLA, verfälscht damit aber auch die Geschichte, die hier erzählt wird, was der Film in einem Rückblick zu einer Lehrstun­de, als der Reporter vor Studenten steht, gerade diesbezüglich in Frage gestellt wird. Ist die bloße Anwesenheit nicht schon eine Verfälschung des Schicksals?

    In einem der eindringlichsten Momente des Films, in dem die Farbe Rot plötzlich dominiert, findet Kapuściński zusammen mit seinem Kollegen Artur auf Dutzende Kilometer hinweg Zivilisten, die von der FNLA abgeschlachtet wurden. Dass in diesem blutigen Konflikt aber auch die MPLA vor Kriegsverbrechen nicht zurückschreckte, lässt der Film außen vor. Nur einmal deutet er Kapuścińs­kis Desillusionierung an, als er erklärt, dass die MPLA den Krieg vielleicht, die moralische Überle­genheit aber ganz sicher verloren hat.

    Aber das ist ein zu kurzer Moment, der im Donner der Gewehrsalven und der exzellenten Soundef­fekte untergeht. Das erste Opfer jedes Krieges ist die Wahrheit. Auch in Angola – und in diesem Film – verhält es sich nicht sehr viel anders, was einen leichten Beigeschmack mit sich bringt, die Wirkkraft von „Another Day of Life“ aber nur minimal schmälert.

    Der Film wirkt wie eine lebendig gewordene Graphic Novel. Die Animation orientiert sich an Fil­men wie „A Scanner Darkly“ oder „Waltz with Bashir“, in der Kombination mit den Interviews der noch lebenden Protagonisten, aber auch Bild- und Fotomaterial der Gefallenen, ergibt sich eine Di­rektheit, die der Empathie förderlich ist und mit einer gewissen Melancholie einhergeht, wenn klar wird, dass die Hoffnungen und Träume, die alle für ein freies Angola hatten, sich nie erfüllt haben.