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Termin Informationen:

  • Mi
    16
    Jun
    2021

    Sowjetische Kriegsgefangene zwischen Vernichtung und Zwangsarbeit

    19:00 Uhronline

    Vortrag von Dr. Christian Streit, Heidelberg

    Die sowjetischen Kriegsgefangenen waren nach den Juden die größte Opfergruppe nationalsozialistischer Politik. Über drei Millionen, mehr als die Hälfte der etwa 5,7 Millionen starben als Opfer einer verbrecherischen Politik. Der Völkerrechtsgrundsatz, dass Kriegsgefangene menschlich zu behandeln sind, wurde verworfen. Ein entscheidender Faktor für das Massensterben war das Ziel, die Nahrungsressourcen des Ostens gnadenlos zugunsten der deutschen Bevölkerung auszubeuten. Die geringfügigen Verbesserungen ihrer Behandlung waren ausschließlich von der Erkenntnis bestimmt, dass man ihre Arbeitskraft dringendst für die deutsche Rüstungsindustrie brauchte. Das Schicksal dieser Gefangenen war bis in die 1970er Jahre ein Tabuthema. Erst in den 1980er Jahren und vor allem in den 1990er Jahre durch die „Wehrmachtausstellung“ wurde es bekannter. Bei der Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen ausgeschlossen. Erst 2015, als nur noch weniger als 2000 Überlebende lebten, entschied der Bundestag, sie mit jeweils 2500 Euro symbolisch zu entschädigen.

    Die Doktorarbeit von Christian Streit, Oberstudienrat a.D., „Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945“ gilt als Standardwerk zur Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen. 1999/2000 war er Mitglied der Kommission zur Überprüfung der sogenannten Wehrmachtausstellung und 2015 Sachverständiger in der Bundestagsdiskussion über die Anerkennung und Entschädigung sowjetischer Kriegsgefangener als NS-Opfer.

    Eine gemeinsame digitale Vortragsreihe der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal und der Gedenkstätte Steinwache Dortmund

    Einwahldaten zum Zoom-Vortrag bitte anfordern unter:
    info@alte-synagoge-wuppertal.de.

    Die Einwahldaten werden Ihnen am Nachmittag des Vortragstermins zugesandt.

    Veranstalter: Mahn- und Gedenkstätte Steinwache