Die SPD und die NS-Vergangenheit

Aus den Trümmern des „Dritten Reiches“ eine demokratische und sozial gerechte Gesellschaft aufzubauen, dies war das erklärte Ziel der SPD nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dafür jedoch waren ihre vielfach aus Haft und Emigration zurückgekehrten Funktionäre auf die Unterstützung von Millionen ehemaliger „Volksgenossen“ angewiesen. In ihrem Vortrag wird Kristina Meyer den Fokus auf die Auseinandersetzung der Nachkriegs-SPD mit den Widerstands- und Verfolgungserfahrungen ihrer Mitglieder legen. Mit einem „Gestus der Bescheidenheit“ und einer raschen Annäherung an ein Narrativ, das den gescheiterten Aufstand des 20. Juli in den Mittelpunkt rückte, so ihre These, trug die SPD selbst dazu bei, dass das Gedenken an die eigenen Widerstandskämpfer für viele Jahre marginalisiert wurde.

Dr. Kristina Meyer bekam 2015 den Willy-Brandt-Preis für Zeitgeschichte für ihre Dissertationsschrift „Die SPD und die NS-Vergangenheit 1945-1974“. Sie ist u.a. Mitglied im Beirat des Forschungsprojektes „Eine neue Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung“ sowie im Beirat der Kommission „Erinnerungskulturen der sozialen Demokratie“ der Hans Böckler Stiftung. 2013-2020 war sie Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Jena Center für die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Seit 2019 ist sie Co-Sprecherin des SPD-Geschichtsforums und seit April 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in Berlin.