Ein Mahnmal der Menschenwürde – mitten in der Stadt

BEIM NAMEN NENNEN – mehr als 60.200 Opfer an den Grenzen Europas
(Gedenk-)Aktionen zum Weltflüchtlingstag 2024 um und in St. Reinoldi

Eine Woche lang errichten wir vor der Reinoldikirche ein Mahnmal der Erinnerung und der Menschenwürde. Es besteht aus vielen tausend Stoff-Streifen. Diese werden vorher mit Namen, Herkunft, Zeitpunkt des Todes und Todesumständen der auf der Flucht gestorbenen Menschen an unseren Grenzen beschriftet. Wir hängen sie an einer Installation auf dem Ostenhellweg auf und machen sie so mitten in der Fußgängerzone Dortmunds sichtbar. Auf jedem Streifen stehen Namen von Menschen, die unterwegs waren – voller Hoffnung auf ein besseres Leben, voller Hoffnung auf Überleben. Ihr Schicksal soll ins Bewusstsein der Stadt rücken. Bereits im letzten Jahr haben viele Schüler:innen und Menschen aus der Region mehr als 35.000 Streifen beschrieben. Damit machen wir in diesem Jahr weiter, weil das Sterben nicht aufhört.

Alle können mitmachen – gleich welcher Religion oder Weltanschauung.

Namen schreiben

Täglich zwischen 10 und 18 Uhr vor oder in der Reinoldikirche / an den EM-Spieltagen 15. und 18. Juni bis 20 Uhr

Wir schreiben die Namen der Verstorbenen an einer Schreib-Station auf dem Ostenhellweg auf Stoff-Streifen und bringen diese am Mahnmal an. Jeder kann spontan dazu kommen und mitmachen.

    

Mitmachen  – vor Ort oder zu Hause schon ab Ende Mai

Wer vorher schon mitschreiben möchte – einzeln oder mit einer Gruppe, kann das ab Ende  Mai tun. Infos:karmeier(at)sanktreinoldi.de

  

Namen lesen – 24 Stunden Gedenkaktion

Mittwoch, 19. Juni 20 Uhr bis Donnerstag, 20. Juni 20 Uhr – ohne Unterbrechung in der Offenen Kirche St. Reinoldi

Zur Erinnerung. Gegen das Vergessen: Einen Tag und eine Nacht lesen wir so viele Namen wie möglich aus der Liste der Todesfälle, nennen Ort und Umstände ihres Todes. Nicht alle Namen der Toten liegen vor, manchmal ist es nur das bloße Ereignis – ein Zeitpunkt oder die vermutliche Herkunft der Geflüchteten. Auch ihrer gedenken wir. Je zur halben Stunden zünden wir eine Kerze an und es wird still. Immer zur vollen Stunde ehren Musikerinnen und Musiker das Leben der Toten und lassen ihre Namen und Schicksale nachklingen.

Musik aus dem Mahnmal 

15 Minuten täglich 17 Uhr / am 15. Juni 19 Uhr vor der Reinoldikirche – vom 14. bis 20. Juni

Poesie aus dem Mahnmal von Lina Atfah

täglich in der Reinoldikirche

Die Zahl der Menschen, die auf dem Weg nach Europa sterben, steigt und steigt. Seit 1993 sind es mehr als 60.200 Tote. Noch nie waren es so viele wie im Jahr 2023. Sie alle haben ihre Heimat verlassen, weil sie vor Kriegen, Konflikten, Verfolgung oder anderen lebensbedrohenden Umständen flüchten. Zum Beispiel aus Syrien, Iran, Afghanistan, Tunesien, Eritrea, Kurdistan. Sie verloren ihr Leben im Meer, an den europäischen Außengrenzen, in Lastwagen, in Wäldern auf der Suche nach einem sicheren Ort. Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, Babys.
Gleichzeitig verschärft Europa das Asylwesen weiter. Geflüchtete, auch Familien mit Kindern, sollen an den EU-Außengrenzen in riesigen Lagern unter haftähnlichen Bedingungen untergebracht werden, um sie möglichst rasch abzuschieben. Weitere Verschärfungen kommen dazu. Elementare Grundrechte, die jeder Person zustehen, werden verletzt. Schon jetzt geschehen dort schwerste Menschenrechtsverletzungen. Das ist eine Krise der Menschlichkeit und es ist eine Krise der Menschenrechte.

Darüber sind wir entsetzt und fordern: Menschen schützen – auch an den Grenzen!

Mit verschiedenen Aktionen und einem Mahnmal der Menschenwürde gedenken wir in der Dortmunder Innenstadt der Opfer, die auf der Flucht gestorben sind, protestieren öffentlich gegen die unhaltbare Situation und fordern eine Politik, die Menschenleben schätzt und ihre Würde achtet.

Zum Aktionsbündnis „Beim Namen nennen “, das mittlerweile in mehr als 14 Städten in Deutschland und der Schweiz aktiv ist, gehören in Dortmund die Flüchtlingsinitiativen in der Stadt sowie zivilgesellschaftlich und kirchlich engagierte Gruppen, Institutionen und Privatpersonen.