Transformative Gerechtigkeit

Gerechtigkeit jenseits von Justiz, Polizei & Gefängnis

Warum reden wir in unseren Zusammenhängen eigentlich so viel davon, dass wir die Polizei ablehnen und rufen sie dann doch immer wieder an? Oder sind komplett ratlos, wie wir ohne sie agieren sollen? Und warum haben wir auch nach all den Jahrzehnten feministischer Kämpfe immer noch keine etablierten Konzepte zum Umgang mit zwischenmenschlicher und sexualisierter Gewalt?

Es ist unabdingbar, die theoretische Ablehnung von Polizei und Patriarchat nicht nur als Stickermotive zu verwenden, sondern auch eine Praxis zu entwickeln, die Alternativen sucht und erarbeitet. Wir wollen sowohl einen Umgang mit Gewalt in unseren Zusammenhängen finden, der nicht auf den Prinzipien von Straflogik und staatlicher Gewalt beruht, als auch Verantwortung übernehmen für die Umstände, die auch in emanzipatorischen Gemeinschaften zwischenmenschliche Gewalt ermöglichen.

Wir sehen zwischenmenschliche Gewalt nicht als Ausdruck von Krankheit oder Bösartigkeit, sondern als sozial, also gesellschaftlich gemacht. Die Gesellschaft, in der wir leben, ist zutiefst durchzogen von Herrschaft, Strafe und Gewalt. Wenn wir (sexualisierte) Gewalt in unseren Räumen, Gruppen und Beziehungen beenden wollen, können wir die Augen vor diesen Herrschaftsverhältnissen nicht verschließen.
Daher wollen wir in diesem Workshop mit einigen Überlegungen zu den Zusammenhängen von Patriarchat (geschlechterbezogener Unterdrückung), Staat und Gewalt beginnen, die Logik des Strafens analysieren und schließlich alternative Konzepte zum Umgang mit Gewalt in unseren Gemeinschaften vorstellen.

Dabei wollen wir keinen Masterplan erklären, sondern mit Euch zusammen vorhandene Konzepte kennenlernen, Ideen und Erfahrungen austauschen und Euch anregen, Euch selbst Gedanken zum Thema zu machen. Wir wollen gemeinsam beginnen, in unseren eigenen Umfeldern daran zu arbeiten, zwischenmenschlicher Gewalt ohne den strafenden Staat begegnen zu können und auf Dauer nicht nur Feuerwehrpolitik zu machen, wenn es zu Übergriffen kam, sondern den Umständen, die diese gewaltvollen Verhältnisse erst ermöglichen, ein Ende zu setzen.

Referent:
Karl Müller, ignite! Kollektiv
Das ignite! Kollektiv ist ein horizontal organisiertes Kollektiv, das zu feministischen und anderen herrschaftsfeindlichen Themen Workshops gibt, schreibt und handelt. Das Kollektiv begann 2018 mit einem Einführungsworkshop zu Feminismen und Gender. Inzwischen ist ignite! mit einem stetig wachsendes Angebot an selbstorganisierter Bildungsarbeit zu verschiedensten linkspolitischen Themen im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs, gibt Workshops, Vorträge im universitären Kontext sowie Beratungen und beteiligt sich an überregionalen und internationalen Vernetzungen. Seit 2019 publiziert das Kollektiv auch Texte, Podcasts, Radiobeiträge und Interviews und arbeitet aktuell mit Weiteren an einem Handbuch zum Thema „Transformative Gerechtigkeit“. Weitere Informationen zum ignite! Kollektiv finden sich online unter https://ignite.blackblogs.org/.

Teilnahme:

  • Menschen ohne Vorwissen sind herzlich willkommen! Im Workshop werden möglichst allgemeinverständliche Worte benutzt, und Fach- und Szenebegriffe erklärt.
  • Über die aktuellen Teilnahmevoraussetzungen informiert die Webseite des Black Pigeons. Stand 10. September: Es gilt die 3G-Regel (entweder geimpft, genesen oder negativ getestet).

Veranstaltung von Anarchistische Gruppe Dortmund, Offenes Feministisches Café CaFem in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW